Geburt und Aufzucht der Welpen
Wenn es Frühling wird, dann macht sich Mutter Wolf auf die Suche nach einem geeigneten Platz, wo sie eine Höhle graben kann. Hier nämlich wird sie nun, nach der Tragzeit von 61-63 Tagen, ihre vier bis sieben Welpen zur Welt bringen. Manchmal gräbt die Wölfin mehrere Höhlen, in die sie und die Welpen bei Gefahr "umziehen" können.

Normalerweise darf sich nur das stärkste Pärchen im Rudel vermehren. Man nennt diese beiden auch Alpha-Tiere (Alpha ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets - das ranghöchste Wolfspaar ist das erste Paar im Rudel).

Ist die Höhle, die mehrere Meter tief gegraben wird, endlich fertig, zieht sich die trächtige Wölfin in den Bau zurück. Kein anderer, nicht einmal der Wolfsvater, darf nun die Höhle betreten. Waren die Wolfseltern bislang die einzigen Mitglieder der Wolfsfamilie, so muß sich der Vater nun ganz allein um die Nahrungsbeschaffung kümmern. Alleine wird es ihm aber kaum gelingen, auch einmal große Beutetiere "nach Hause" zu bringen. Angewiesen auf Hasen, Mäuse oder kleinere Beutegreifer, wird die Futterbeschaffung nun seine Hauptaufgabe sein. Teile der Beute legt er in den Höhleneingang, damit sich Mutter Wolf davon ernähren kann. Es ist wohl verständlich, wie dramatisch es wäre, wenn der Vater Wolf von einem Jäger erschossen, gefangen oder von einem Auto überfahren werden würde.

Die Welpen kommen taub und blind auf die Welt und werden von der Mutter gesäugt. Erst nach etwa drei Wochen wagen sich die Wolfbabies vorsichtig aus der Höhle um einen Blick ins Tageslicht zu riskieren. Dabei läßt die Mutter sie nicht aus den Augen. Die Sterblichkeit der Welpen ist bei Wölfen sehr hoch. Etwas ein Viertel der geborenen Tiere erreichen nicht das Erwachsenenalter. Das erklärt auch, weshalb die Wölfe so viele Babies bekommen müssen.

Bis zum Alter von drei Monaten werden die Welpen von der Mutter gesäugt. Sie haben schon scharfe spitze Zähne, was es für Mutter Wolf nicht leichter macht. In dieser Zeit werden die Wolfskinder auch schon an fleischliche Nahrung gewöhnt. Die erwachsenen Wölfe verdauen die Nahrung im Magen vor und würgen den dabei entstandenen Brei für die Kleinen wieder hervor. Das ganze sieht so ähnlich aus wie Fertignahrung und ist sicherlich ebenso nahrhaft.

Wenn die großen Wölfe von der Jagd kommen, kann man beobachten, wie die Kleinen mit der Schnauze immer wieder in die Mundwinkel der anderen Wölfe stupsen. Dieses Verhalten löst den Reiz aus, um die vorverdaute Nahrung auszuwürgen. Oft kann man im Zoo beobachten, wie unterwürfige Wölfe - zum Beispiel nach einer Rangelei im Rudel - mit ihrer Schnauze in die Mundwinkel des Überlegenen stupsen. Das bedeutet nichts anderes als "ich bin doch noch so klein, tu mir bitte nichts!".

Bei größeren Rudeln sind alle Wölfe in die Aufzucht des Nachwuchses eingebunden. Ob Babysitter, wenn andere auf die Jagd gehen, oder als Nahrungs-Transportmittel für die Kleinen. Auf diese Weise wird der Zusammenhalt im Rudel gefestigt und so manche Auseinandersetzung vermieden.


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