Die Wolfsschule
Wolfskinder müssen, wie alle Kinder, sehr viel lernen. Das ist bei den Wölfen sogar überlebenswichtig. Bis die Welpen etwa ein halbes Jahr alt sind, haben sie gelernt was sie fressen dürfen, wie man sich auf der Jagd verhält, und wie man sich korrekt auszudrücken hat, um nicht falsch verstanden zu werden.

Während dieser Zeit kümmern sich alle Wölfe des Rudels um die Kinder. Die ersten Wochen hat die Wolfsmutter sich nahezu ausschließlich um die Kleinen gekümmert, aber nach und nach ist jedes Mitglied im Rudel bei dem Nachwuchs zu finden. Einige spielen mit ihm, andere bringen vorverautes Futter herbei und manche suchen einfach nur die Nähe der kleinen Wölfe. Nach etwa zehn Wochen werden die nun schon recht großen Bälger nicht mehr von der Mutter gestillt. Auch die Höhle haben sie schon lange nicht mehr als Unterschlupf benutzt. Noch sind Vater und Mutter Wolf geduldig, wenn die Kleinen sie am Ohr reißen oder ständig auf ihnen herumtollen. Auch die anderen Wölfe spielen ausgelassen mit den Wolfskindern. Schon bei den ersten Gehversuchen haben die Babies "Kämpfen" gespielt. Einer ist der Stärkere, der andere unterwirft sich. Nun werden die Spielereien schon intensiver und man kann schon deutlich erkennen, wer der Mutigere und wer der Schüchterne unter den Kleinen sein wird. Aber all das kann sich im Laufe der Monate wieder ändern.

Wolfswelpen nehmen in der Rangornung eines Rudels eine Sonderstellung ein. Bis zu einem gewissen Alter genießen sie eine Art "Narrenfreiheit". Ihnen sind Dinge erlaubt, die üblicherweise anderen Rudelmitgliedern untersagt sind. Rangniedere Tiere suchen oft die Nähe der Welpen, lassen mit sich spielen und lecken den Welpen das Fell. Vielleicht ist diese direkte Kontaktsuche eine Art Bestätigung der Rudelzugehörigkeit für die sonst ehere am Ende der Rangordnung stehenden Tiere. Während das Rudel auf die Jagd geht, bleiben häufig die ein- bis zweijährigen weiblichen Wölfe bei den Kleinen. Kehren dann die Wölfe von erfolgreicher Jagd zurück, beginnt bei den Wölfen eine augelassene Spielphase die dann in die Fütterungsphase übergeht.

Wenn die Wölfe groß genug sind, dann gehen sie zu einem besonderen Rendezvous-Platz. Zusammen mit ihren Eltern beschnuppern sie die neue Welt außerhalb der Wolfshöhle. Hier lernen sie auch die ersten Beutetiere kennen - und die erste Enttäuschung, wenn sich nämlich die kleine Maus geschickter anstellt, als das hungrige Wolfskind. Es ist klar, das der Mensch sich nicht auf dem Speiseplan des Wolfes wiederfindet. Der Wolf ist von Kindheit an auf ganz spezielle Beutetiere fixiert. Dabei hilft ihm sein Rudel, aber auch seine noch zahlreichen, manchmel durchaus schmerzhaften Erfahrungen. Nicht selten nämlich muß das Wolfskind mit schmerzenden Stacheln in der Schnautze feststellen, daß man ein Stachelschwein lieber am Leben läßt. 


Cartoons und Inhalt © by Thorsten Hardel. Kopieren von Inhalten oder Grafiken nur nach schriftlicher Genehmigung.

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