Der Wolf und seine Beute

Der Wolf in in erster Linie ein Fleischfresser. Abhängig von seinem Lebensraum ernährt sich der Wolf von Rehwild, Rentieren, Elchen, Moschusochsen, Hasen. Ist das Nahrungsangebot nicht so üppig, verschmäht er auch Mäuse oder wilde Beeren und Früchte nicht. Hin und wieder werden auch Schafe Opfer von Wölfen. Dies ist aber recht selten und eigentlich nur bei schlecht bewachten Herden. Wölfe haben eine instinktive Angst vor Menschen. Und bewachen neben dem Hirten auch noch Herdenschutzhunde die Schafe, wird jeder Wolf einen großen Bogen um das lecker duftende Mittagessen machen.

Neu angesiedelte Wölfe in Italien z.B. haben sich die vom vom Menschen veränderten Naturgegebenheiten angepaßt. Nachts schleichen sie auf Müllplätzen herum, auf der Suche nach Nahrungsresten. Diesen Wölfen hat man den Namen "Spaghettiwölfe" gegeben. Dieses Verhalten gab es auch im Mittelalter. Auch dort schlichen die Wölfe nachts in die Dörfer, auf der Suche nach Essensresten. Solche Begebenheiten regten entsprechend die Phantasie der Menschen an.

Wolfswelpen lernen bald nach ihrer Geburt die Beute ihres Gebietes kennen. Eltern und Geschwister nehmen sie dann später mit auf die Jagd. Vorher versuchen sich die Kleinen zuerst spielerisch und dann schon immer erfolgreicher an Mäusen und Hasen. Je nach Beutetier entwickelt der Wolf eine besondere Jagdtechnik. So springt er bei der Jagd auf Mäuse in einem Bogen hoch und landet mit den Vorderpfoten und gleich darauf mit seiner Schnautze auf der Beute.

Neben der Welpenaufzucht besteht der Tag eines Rudels fast ausschließlich aus Schlafen und Nahrungsbeschaffung. Auch wenn die Wölfe ein großes Nahrungsangebot vorfinden, so bedeutet dies nicht, daß sie bei ihrer Jagd auch erfolgreich sind.

Die Jagd gehört zu den wichtigsten sozialen Unternehmungen eines Wolfsrudels.
In der Regel geht der Jagd ein gemeinsames Heulen voraus. Das Wolfsgeheul stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit im Rudel. Jetzt lassen sich auch gut die rangniedrigeren Tiere beobachten. Sie umwinseln die beiden Leitwölfe, lecken ihnen die Lefzen und es scheint, als würden sie die beiden Anführer bitten, endlich mit ihnen auf die Jagd zu gehen. Und heulen die Wölfe in einer Vollmondnacht, so heulen sie nicht den Mond an, sondern nutzen das sein helles Licht für die Jagd.

So ziehen die Wölfe oftmals tagelang mit den Herden, um schließlich einen passenden Moment abzuwarten.
Solch eine Jagd kann durchaus mehrere Tage dauern, ehe sie erfolgreich ist. Wölfe können auch rund 14 Tage ohne Nahrung auskommen. Allerdings wird die Jagd dann auch immer schwerer für die Wölfe.
Um erfolgreicher jagen zu können, überlisten die Wölfe ihre Beute hin und wieder, indem sie sie in einen Hinterhalt treiben. Während zwei Wölfe das Beutetier jagen, warten bereits die übrigen Rudelmitglieder in ihrem Versteck, um die Beute von vorne zu packen. Eine solche Jagd erfordert eine große Konzentration der Wölfe. Kein Wolf darf zu früh aus seinem Versteck kommen, um die Beute nicht zu warnen. Vom richtigen Moment hängt unter Umständen das Überleben des ganzen Wolfsrudels ab.

Haben die Wölfe eine Herde Rehe oder auch nur einige Hasen ausgemacht, jagen sie nicht gleich los. Sie beobachten, schleichen sich an und warten eine günstige Gelegenheit ab. Ein Rudel Wölfe stand einer Herde Moschusochsen gegenüber. Diese riesigen Huftiere haben einen kräftigen Körper und ein starkes Gehörn auf dem harten Schädel. Als die Herde die Wölfe entdeckte bildeten sie sofort einen Kreis - Hinterteil nach innen und die Köpfe drohend auf die Wölfe gerichtet. Dei Kälber und schwachen Tiere fanden im Inneren des Kreises Schutz. Die Wölfe wagten den Angriff gar nicht erst. Ein paar Wölfe reizten die Ochsen zwar, aber es bot sich keine Möglichkeit zum Angriff. Also legten sich die Wölfe, scheinbar gelangweilt und müde abseits der Moschusochsen ins Gras. Schließlich wähnten sich die Huftiere in Sicherheit, begannen zu grasen und waren für einen Moment unachtsam. Diesen Fehler nutzten die Wölfe, die scheinbar nur auf diesen Moment gewartet hatten und es gelang ihnen, zwei Kälber von der Herde abzudrängen und zu töten.

Oft ziehen Wölfe tagelang mit der Herde Beutetiere, um zu erkennen, ob ein krankes oder schwaches Tier im Rudel ist. Ab und an legen sie einen kurzen Sprint ein, um die Kondition ihrer Beute zu testen. Auf diese Weise überleben nur die starken Tiere einer Herde. Ein Sprichwort der Innuit (Eskimos) sagt sinngemäß, "wo der Wolf jagt, sind die Karibuherden gesund".

Hat ein Wolfsrudel ein Tier erlegt, so fressen alle gemeinsam. Sicherlich ist es von der Rangordnung abhängig, wer hier die besten Stücke bekommt, aber für jeden Wolf fällt etwas ab. Hierbei wird das Beutetier bis auf die Knochen vertilgt. Was das Wolfsrudel nicht fressen kann, wird vergraben und dient als Vorrat für später. Sind andere Wölfe bei den Welpen in der Höhle geblieben, so wird auch für diese Wölfe Nahrung mitgenommen.


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