Jäger und Heger
Der Wolf spielt im Ökosystem der Erde eine ganz bedeutende Rolle. Er tötet fast nur schwache und kranke Tiere - nicht etwa absichtlich, sondern weil er die anderen gar nicht erwischt. Durch sein "Treiben" der Beutetiere verteilen sich die Herden in einem großen Gebiet von mehreren hundert Kilometern und finden ihrerseits so mehr Nahrungsplätze.

So sorgt der Wolf einerseits dafür, daß Grasflächen und Baumtriebe nicht vollständig vom Schalenwild abgefressen werden, andererseits verlieren die Herden durch das Töten der schwächeren Tiere mögliche Krankheitsüberträger. Obwohl der Wolf also Tiere tötet sorgt er doch dafür, daß diese Tierart überleben kann.

Vor einigen Jahren kam es in Schweden zu einem zuerst unerklärlichen Sterben bei den Elchen. Untersuchungen ergaben, daß sich bei den Elchen eine Immunschwäche verbreitet hat. Der Grund war in der Tasache zu finden, daß sich durch den Abschuß der starken Elchbullen (u.a. Geweih!) nun die schwächeren Tiere vermehrten. Auf diese Weise wurden auch schwache bzw. kranke Jungtiere geboren.

Für Kälber ist die Gefahr durch Wölfe recht groß, doch eine gesunde und aufmerksame Elchkuh ist durchaus in der Lage, sich und ihr Junges gegen ein Wolfsrudel zu verteidigen. Ein Wolf ist wohl ein guter Läufer, doch reicht seine Kondition nur für kurze Sprints. Seine Beute hat also sehr gute Chancen zu entkommen. Durch ihre langen Beine sind die Huftiere ausdauernde Sprinter, ein Elch ist ohne weiters in der Lage, einem Wolf den Schädel mit einem Huftritt zu zertrümmern und wie flink ein Hase ist, hat wohl jeder schon beobachten können.

Wie schwer es ein Wolfsrudel hat, zeigt die nachstehende Grafik. David Mech, ein berühmter Wolfsforscher hat ein Rudel von etwa 15 Wölfen bei der Jagd beobachtet.
 

Die Wölfe konnten 131 Elche aufspüren. Von diesen gelang 78 Tieren sofort die Flucht, noch ehe die Wölfe in ihre Nähe kamen. Die verbliebenen 53 Elche wurden schließlich von den Wölfen gestellt. 47 von ihnen konnten flüchten, verteidigten sich oder brachten sich im tiefen Wasser in Sicherheit. Nur bei sechs Elchen war die Jagd schließlich erfolgreich. Das entspricht einem Jagderfolg von nur 5%.

Heute haben wir Jäger die den Wildbestand regulieren. Der Wolf wurde als Nahrungskonkurrent ausgerottet. Dennoch haben wir in Deutschland den wohl höchsten Wildbestand aller Zeiten. Die Folgen sind große Schäden an der Pflanzenwelt sowie eine starke Schädigung der Wälder. Ein Nahrungskonkurrent wird der Wolf nicht werden können und es wird höchste Zeit, seine Wiedereinbürgerung zu fördern.

Doch ehe das passieren kann, müssen noch viele Vorurteile abgebaut und landschaftliche Veränderungen vorgenommen werden. Ein jeder von uns kann etwas dafür tun und sei es nur, die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf richtigzustellen.


Cartoons und Inhalt © by Thorsten Hardel. Kopieren von Inhalten oder Grafiken nur nach schriftlicher Genehmigung.
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