Das Forstamt Muskauer Heide
über die Rückkehr der Wölfe
Seit einiger Zeit gibt es immer wieder Meldungen in den Medien, wonach im nordostsächsischem Raum Wölfe gesichtet wurden. Was hat es damit auf sich?
Bereits vor etwa fünf Jahren wurden von Jägern, Waldarbeitern und Landwirten immer wieder einzelne Wolfsbeobachtungen gemacht. Anfangs war man nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Wolf oder nur einen streunenden Hund handelte. Neben der immer häufigeren Sichtung eines „Alleingängers“ wurden auch Risse von Wildtieren und Spuren gefunden. Recht bald bestätigte sich die Vermutung, dass es sich bei dem „Verursacher“ um einen Wolf handelte. Vor drei Jahren wurden dann erstmals zwei Wölfe gesichtet, die offensichtlich gemeinsam auf Beutezug gingen. Der Durchzug von aus Westpolen einwandernden Wölfen ist in Deutschland nichts Ungewöhnliches. Als aber im Herbst letzten Jahres mehrmals sechs Wölfe immer wieder in der gleichen Region beobachtet wurden, lag die Vermutung nahe, dass sich ein Wolfsrudel in der „Muskauer Heide“ etabliert hat. Ob es sich bei dem zahlenmäßigen Zuwachs um Jungwölfe handelt, kann nicht mit Sicherheit bestätigt werden.
Das Streifgebiet der Wölfe in ihrem zaghaft zurückgewonnenen Lebensraum umfasst eine Fläche von mindestens 200-250 Quadratkilometern. Kernstück scheint das Gebiet des Truppenübungsplatzes Oberlausitz zu sein, denn dort gibt es die meisten Beobachtungen. Mit einer Größe von ca. 14.500 ha, davon ca. 10 000 ha Wald, bietet der Truppenübungsplatz wahrscheinlich einen idealen Lebensraum für die sehr anpassungsfähigen aber auch sehr scheuen Jäger. Hier finden sie Ruhe vor störenden Einflüssen, können auf riesiger Fläche jagen und haben gute Chancen Beute zu machen. Der militärische Übungs- und Schießbetrieb macht ihnen nichts aus, sie haben genügend Platz um auszuweichen. Gerade weil das Betreten des Truppenübungsplatzes aus Sicherheitsgründen streng verboten ist und damit die Störungen durch Menschen gering sind, fühlen sich die Wölfe hier offensichtlich wohl.
Eine Gefahr für den Menschen geht von den Wölfen nicht aus. Sein schlechtes Image hat der Wolf wahrhaftig nicht verdient. Der Mensch gehört nicht zu seinem Beutespektrum. Er greift sich auf natürliche Weise die Tiere, denen er habhaft werden kann. In unseren Breiten sind das mit Sicherheit in erster Linie Rehe, junge Wildschweine, Wildschafe (Muffel) und schwächeres Rotwild. Aber auch Hasen, Kaninchen, Füchse und Mäuse stehen auf seinem Speiseplan. Wenn es mal mit der Nahrung knapp wird, bedient er sich auch mit Aas. Für den Fall, dass er mal ein Hausschaf reißt, hat das Land Entschädigung in Aussicht gestellt.
Werden die Wölfe in unseren Wäldern nun wieder heimisch? Diese Frage wird wohl zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand beantworten können. Gut ist, dass diese Frage nach gut 150 „wolfsfreien“ Jahren überhaupt gestellt werden kann. Entscheidend wird auch die Haltung der Menschen zu dieser Problematik sein. Die Förster des Bundesamtes sehen die Wiederansiedlung des Wolfes sehr positiv. Sie werden über diese geradezu sensationelle Entwicklung mit Argusaugen wachen. Außerdem gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, Konflikten vorzubeugen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in der Berner Konvention zum Schutz frei lebender Tiere verpflichtet, dem Wolf eine Wiederansiedlung in geeigneten Gebieten zu ermöglichen. Ein solches Gebiet hat sich der zu den am strengsten geschützten Tieren gehörende Wolf hoffentlich auf Dauer in unserer Region gewählt. Stören wir ihn nicht dabei heimisch zu werden.

Rolf Röder
Leiter des Forstamtes Muskauer Heide

 


 
Cartoons und Inhalt © by Thorsten Hardel. Kopieren von Inhalten oder Grafiken nur nach schriftlicher Genehmigung.

nach oben